Wenn man in den Annalen der Sandbahn-WM blättert, fällt einem der Name Riss auf. Achtmal gewann Gerd Riss diesen Titel – damit ist er der erfolgreichste Motorsportler in diesem Metier. Nun schickt sich sein 18-jähriger Sohn Erik an, die Familiengeschichte fortzuschreiben.

Von Joachim Rieder 
Herxheim. Am Donnerstag wird Erik Riss in Herxheim als jüngster Teilnehmer beim Auftakt der Langbahn-Weltmeisterschaft an das Startband rollen.Als Gerd Riss, der in Seibranz im Allgäu beheimatet ist und seit 1983 Mitglied der Motorsportvereinigung Herxheim (MSVH) ist, am Himmelfahrtstag 2012 verabschiedet wurde, hatte er seine Karriere nicht ganz freiwillig beendet. Beim WM-Lauf im südfranzösischen Marmande im Juli 2010 zog er sich bei einem Sturz langwierige Beinverletzungen zu, die ihn zwangen, den Schleifschuh an den berühmten Nagel zu hängen.

Doch der Schleifschuh setzte keinen Rost an: Mit der Verabschiedung von Gerd Riss begann der Einstieg seiner Söhne Mark und Erik in die Bahnsportszene. Beide absolvierten im Mai 2012 auf ihrer Hausbahn im Herxheimer Waldstadion ihr erstes Langbahnrennen. „Der Entschluss, auch Bahnrennen zu fahren, kam von den Jungs selbst. Wir haben bei uns eine kleine selbst gebaute Motocross-Piste, wo sie rumheizten. Auf einmal haben sie in der Werkstatt ein zehn Jahre altes Speedwaymotorrad entdeckt und haben es ausprobiert“, schildert Vater Riss die motorsportlichen Anfänge seines Nachwuchses.

Weniger begeistert ist Mutter Diana Riss: „Ich habe mir schon gedacht, dass die Jungs irgendwann auch noch fahren. Dass die Angst immer dabei ist normal. Als Mutter hat man wohl noch mehr Angst als um den eigenen Mann. Aber ich kann es ihnen nicht verbieten.“

Mit den Plätzen zwei und drei zeigten die Beiden sofort, welches Potenzial in ihnen steckt. Bereits im Spätjahr durften Erik und sein genau auf den Tag ein Jahr älterer Bruder Mark beim Langbahnpokal der nationalen Meisterschaft der Nachwuchsfahrer teilnehmen. Auf der Sandbahn im niederbayrischen Pfarrkirchen blieb Erik ungeschlagen, ein Ausfall bedeutete allerdings nur Platz drei. Mark verletzte sich bei diesem Rennen und stellte danach das Langbahnmotorrad in die Ecke. Er konzentrierte sich fortan auf die kürzere Speedwaybahn, wo er, wie Erik, unter anderem im Team der Herxheim Drifters in der 2. Bundesliga unterwegs ist. Für Erik bot sich bei der Deutschen Meisterschaft der internationalen Klasse, ebenfalls in Pfarrkirchen, die Möglichkeit, sich erstmals mit der deutschen Elite zu messen. Mit einem sensationellen zweiten Rang überraschte er die Experten und sicherte sich auch einen Platz für die WM-Qualifikation 2013.

Im vergangenen Jahr konnte er sich in der internationalen Klasse etablieren. Ein dritter Platz beim Sandbahnklassiker in Herxheim sowie der Gewinn der WM-Vorrunde im tschechischen Marienbad und der Sieg der WM-Challenge in Mühldorf am Inn belegen seine WM-Tauglichkeit. Nun steht er im 15er-WM-Feld, das am Donnerstag in der Südpfalz die erste von fünf Grand-Prix-Veranstaltungen absolviert. „Ein konkretes Ziel setze ich mir nicht. Ich lasse alles auf mich zukommen und hoffe auf ein gutes Abschneiden. Die Bahn fordert einen, aber sie liegt mir auch. Auf die Veranstaltung freue ich mich, viele Freunde und Bekannte werden hier sein“, gibt sich der Lokalmatador bescheiden-selbstbewusst. „Man darf nicht vergessen, dass die anderen Fahrer über wesentlich mehr Erfahrung als ich verfügen.“

 

 

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz – Pfälzer Tageblatt – Nr. 122
Datum Dienstag, den 27. Mai 2014